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15. April 2019

Outsourcing von Softwareentwicklung: Mit ausländischem Know-how dem Fachkräftemangel begegnen

India4IT

Big und Smart Data, Automatisierung und künstliche Intelligenz: Digitale Trends und Entwicklungen wie Industrie 4.0 heizen den Wettbewerb um qualifizierte IT-Entwickler an. Vor allem mittelständische Unternehmen sind davon betroffen. Trotzdem sind sie gezwungen digitale Prozesse einzuführen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Wegen des allgemeinen Fachkräftemangels suchen solche Unternehmen bereits im Ausland nach den klügsten Köpfen. Swen Berbett, Experte für das Outsourcing von Softwareentwicklung nach Indien und Leiter India4IT bei der BEO GmbH, weiß, vor welchen Herausforderungen die Branche steht. Er erklärt, welche Strategien erfolgversprechend sind und welchen Mehrwert das Outsourcing von IT-Leistungen den Kunden bringt.

Bislang waren Softwareunternehmen, Systemhäuser oder Webagenturen klassische Arbeitgeber von IT-Fachkräften. Durch Industrie 4.0 und die fortschreitende digitale Transformation hat die Fertigungsindustrie zunehmend Bedarf an gut ausgebildeten IT-Entwicklern. „Bisher konnte bei der Herstellung von Maschinensteuerungen auf Softwareentwicklung im großen Stil verzichtet werden“, erklärt Swen Berbett. „Industrie 4.0 hat eine ganz starke Auswirkung auf den Bedarf an IT-Fachkräften. Mit ihr wird der Maschinenbau immer stärker prozessgetrieben und IT-orientierter. Dementsprechend müssen mehr und mehr Unternehmen eine eigene Abteilung für Softwareentwicklung aufbauen, um mithalten zu können.“ Beispielsweise vor dem Hintergrund von Predictive Maintenance kommunizieren Maschinen nicht nur miteinander, sondern auch mit externen Lösungen – sie werden immer smarter. Zudem müssen Maschinen an übergeordnete Systeme angebunden und am besten über eine Applikation gesteuert werden. Der Aufwand für die Programmierung und die Weiterentwicklung solcher Softwarelösungen übersteigt die Kapazität vieler IT-Abteilungen. „Gerade im Bereich der Business Solutions suchen Betriebe händeringend nach Experten“, berichtet Swen Berbett. „Bei jeder Prozessänderung entstehen Kosten von bis zu 1.500 € pro Tag – abhängig davon, was gemacht wird. Wenn auf das Jahr verteilt 50 bis 60 Expertentage benötigt werden, kann man für diesen Preis Mitarbeiter fest einstellen.“ Das Problem: Heute findet man keinen Experten mehr auf dem Arbeitsmarkt. Sogar Studenten sind schon unter Vertrag, bevor sie ihren Universitätsabschluss in der Tasche haben. Laut einer bitkom-Studie von November 2017 sind bereits mehr als 55.000 Jobs für IT-Fachkräfte nicht besetzt. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Anstieg von acht Prozent.

Situationsbeschreibung
Aus einer Befragung des Beratungsunternehmens EY geht hervor, dass jedes fünfte Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand nicht genug Mitarbeiter findet, um ausreichend in digitale Prozesse zu investieren. Folglich bauen sie diesen Bereich zu wenig oder gar nicht aus. Vor allem kleineren Unternehmen fehlt oftmals das Geld, um interne Abläufe zu digitalisieren. Zusätzlich haben sie es noch schwerer, die dafür benötigten Fachkräfte anzuwerben. Unternehmen sind daher gezwungen, sich nach alternativen Lösungen im Wettbewerb um Fachkräfte umzusehen. „Seit dem vergangenen Jahr beobachten wir eine Veränderung: Nachdem wir ursprünglich Anfragen zur Unterstützung von E-Commerce-Unternehmen oder Softwareentwicklungsfirmen und ERP-System-Herstellern erhielten, treten nun vermehrt Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Maschinenbau und der klassischen Fertigungsindustrie mit uns in Kontakt, um ihre Softwareentwicklung auszulagern“, sagt Swen Berbett. Weiterhin sei zu vermerken, dass eine örtliche Verlagerung stattgefunden hat – waren es in den letzten Jahren Anfragen aus dem ländlichen Raum, so kommen sie jetzt auch aus den Metropolregionen. Ein Zeichen dafür, dass der Abwerbungsprozess und der Konkurrenzkampf um IT-Entwickler sehr stark geworden sind. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, gibt es laut Swen Berbett unterschiedliche Wege, die Unternehmen einschlagen können.

Kurzfristige Perspektive: Outsourcing von einzelnen Projekten
Das Auslagern von Teilprojekten eignet sich insbesondere dann, wenn sich die geforderten Leistungen segmentieren und modular programmieren lassen. Eines der beliebtesten Länder zum Outsourcen ist Indien: Der Softwareboom hat dort schon vor mehr als 15 Jahren begonnen. Hier haben Unternehmen Zugriff auf einen sehr großen Markt an Fachkräften. Spontanes Outsourcing von Projekten lässt sich daher in Indien sehr schnell realisieren. Allerdings besteht in diesem Fall das Problem, dass nach Projektabschluss kein fester Ansprechpartner mehr zur Verfügung steht. Im Fall von potenziell auftretenden späteren Komplikationen sind die zuständigen Entwickler bereits mit anderen Projekten beschäftigt.

Mittelfristige Perspektive: Outstaffing
Eine weitere Lösung ist die Einstellung von IT-Experten aus dem Ausland, genannt Outstaffing. „Durch diverse Vermittlungsagenturen ist das Finden von geeigneten Arbeitnehmern zwar einfach, jedoch auch mit entsprechenden Kosten verbunden“, berichtet Swen Berbett. „Es fallen nicht nur die Integrationskosten, zum Beispiel für Sprachkurse oder Ähnliches, sondern auch ein Gehalt auf deutschem Lohnniveau.“

Langfristige Perspektive: Selbst ausbilden oder outsourcen
Eine andere Möglichkeit, dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist den IT-Nachwuchs selbst auszubilden. Duale Studiengänge oder eine Ausbildung dauern jedoch drei bis fünf Jahre, diese Mitarbeiter sind also nicht sofort einsatzbereit. „Auch ist nach der Ausbildung nicht sicher, dass junge Menschen im Unternehmen bleiben. Das Problem ist außerdem, dass man schon heute smarte IT-Lösungen entwickeln muss, um in zwei Jahren nicht den Anschluss zu verpassen“, erklärt Swen Berbett. „Sehr große Unternehmen gehen inzwischen den Schritt, eigene Niederlassungen in Indien aufzubauen, wo es eine Vielzahl von qualifizierten Entwicklern gibt.“

Nachhaltige Perspektive: Ganzheitliches Outsourcing
Die Vorteile des langfristigen Outsourcings liegen für Unternehmen klar auf der Hand: „Als spezialisierte Dienstleister übernehmen wir die organisatorische Abwicklung, stellen qualifiziertes Personal zur Verfügung und bieten eine optimale und sichere IT-Infrastruktur an“, erklärt Swen Berbett. India4IT wirbt IT-Fachkräfte auf dem indischen Arbeitsmarkt an und organisiert die Vertragsgestaltung sowie die arbeitsrechtliche Abwicklung. Im unternehmenseigenen Technologiepark in Kochi befinden sich zahlreiche Arbeitsplätze, die mit einer leistungsstarken IT-Infrastruktur ausgestattet sind. Trotz zahlreicher Vorteile birgt ein IT-Outsourcing auch Risiken: Primär gilt es, kulturelle Unterschiede und sprachliche Barrieren auszuräumen. Mit interkulturellen Trainings und regelmäßigen Treffen in Deutschland sowie im Ausland lassen sich diese Hürden jedoch überwinden. „Wichtig ist, dass man im Ausland eine deutschsprachige Kontaktperson hat, die für einen reibungslosen Arbeitsablauf sorgt“, fügt Swen Berbett hinzu. „So entstehen keine Missverständnisse und die Projektsteuerung läuft effizient ab.“ Im Vergleich zu Deutschland liegt der Durchschnittslohn in Indien deutlich niedriger. Für einen Entwickler in Vollzeit mit etwa acht Jahren Berufserfahrung entstehen Kosten von etwa 3.000 € bis 3.500 € pro Monat. Outsourcing ist daher eine interessante Option für viele Unternehmen geworden.

Fazit
Die Ergebnisse unterschiedlicher Studien zum IT-Fachkräftemangel lassen nur eine Schlussfolgerung zu: Wer langfristig mit dem digitalen Entwicklungsprozess Schritt halten will, muss frühzeitig entsprechende Maßnahmen treffen. In Deutschland wird es immer schwerer, überhaupt noch Fachkräfte zu finden. Daher empfiehlt sich ein Outsourcing der Softwareentwicklung ins Ausland. Trotzdem bleibt bei vielen Unternehmen die Angst, dass Know-how abfließt oder sensible Daten in Gefahr geraten – daher empfiehlt sich die Wahl eines kompetenten Dienstleisters, der den ausländischen Markt kennt und somit negative Überraschungen ausschließen kann.

 

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