Die ein oder anderen unter euch werden sich erinnern: 1994 brachte der deutsche Comedian (damals hieß es noch Komiker) Tom Gerhard die Slapstickkomödie „Voll normaaal“ in die Kinos. Seine Kunstfigur Tommie Krause war natürlich genauso wenig normal wie die wenig anspruchsvolle Story; trotzdem habe ich irgendwie sein Bild des überzeichnet Verrückten mit verdrehtem Blick und heraushängender Zunge vor Augen, wenn ich auf das Jahr 2021 zurückblicke. Persönlich wie beruflich. Hat uns der Wahnsinn erreicht? Nein, eher reift in mir die Erkenntnis: Es gibt ein neues Normal – auch in der PR.  

Ob in Talkshows, Zeitungsartikeln oder Umfragen – immer häufiger wird die die Frage nach dem zurzeit größten Wunsch der Menschen mit der „Sehnsucht nach Normalität“ beantwortet. Sieh mal an! War bis vor wenigen Jahren der „Wunsch nach Veränderung“ nicht das Nonplusultra? Das Ausbrechen aus dem Alltag. Selbstverwirklichung, Sabbat-Jahre, Work-Life-Balance. Der Gin wurde plötzlich pink, das Bier war am besten gecraftet und die Currywurst durfte ruhig auch vegan sein. Und bei uns in der PR? Wo wir doch über Jahre gut mit dem Zählen von Veröffentlichungen in der Fachpresse gefahren sind, sprachen Kunden plötzlich von neuen KPIs, Conversions und Social Selling. Da fragte man sich noch: Was kommt denn als nächstes? Wenn’s so weitergeht, regieren die Grünen irgendwann mit der FDP und Hansi Flick wird Bundestrainer.    

Und im Dezember 2021 sitze ich hier und stelle mir und euch in wehmütig-philosophischer Stimmung die Frage: Was hat uns dieses verrückte Jahr gebracht? Sind wir der Normalität noch weiter entrückt oder gehören Maske und TikTok einfach zum neuen Normal so wie 1985 Schweißband und Atari? Ok, sorry. Bevor ich mich zum Richard David Precht der PR erhebe, höre ich jetzt auf mit dem philosophischen Getue. Mein Blick richtet sich vom privaten Alltag somit auf unsere Agentur. Um die Brücke zu schlagen: Was war bei uns dieses Jahr eigentlich normal – und unnormal? Und welche Inzidenz hat eigentlich die PR?  

Home und Office – die neue Symbiose unseres Alltags 

Das Jahr 2021 endet für uns wie es angefangen hat: zuhause. Schon während der ersten Welle der Pandemie hat sich bei uns das Homeoffice etabliert. Plötzlich war mobiles Arbeiten völlig normal. Redaktionsgespräche fanden per Teams statt. Geht auch. Neukunden haben wir zum Teil erst ein Jahr später das erste Mal „in real“ gesehen. Dafür kannten wir aber schon deren Wohnzimmer. Der Handschlag wurde zur Faust und die Krawatte zur Maske. So ist es eben – immer noch. Neulich gab ich einem Neukunden meine Visitenkarte, was dieser kommentierte mit: „Ach krass, ich habe schon ewig keine mehr bekommen.“ Tja, das Händeschütteln kommt vielleicht aus der Mode, aber niemals die Visitenkarte. Und ich sage euch was: Nächstes Jahr machen wir sogar neue. So! 

Wie auch immer, wir haben mit unserem Team das Beste aus der Situation gemacht. Apropos Team: Wir haben die 20 geknackt! Dank fünf Neuzugängen 2021 sind wir nun 23 Kolleginnen und Kollegen, was uns sehr freut, denn sich als Agentur interessant und „lebenswert“ zu machen, ist heute schwieriger denn je. Also haben wir auch gleich unsere Arbeitsplätze aufgewertet. Zu den zwei großen Monitoren und den Surfaces kamen nagelneue Headsets und hochfahrbare Schreibtische. Denn ihr wisst ja: Sitzen ist das neue Rauchen! Als ob das noch nicht genug Modernisierung auf einmal wäre, haben wir in einem auch noch die Telefone abgeschafft. Hallo Cloud-Telefonie! Doch dann kam der Moment, in dem wir von unserer heimischen Wolke wieder heruntergestiegen sind. Der Tag im Frühjahr, an dem wir alle wieder in der Agentur waren, bleibt unvergessen. Zuhause in Ruhe arbeiten: großer Vorteil! Flurgespräche und gemeinsames Mittagessen in der Agentur: unbezahlbar! 

Ok, das war jetzt nicht ganz die Wahrheit. Denn alle zusammen passen wir gar nicht mehr in unseren schönen Montabaurer Altbau mit Schlossblick. Daher auch neu bei uns: die Clean Desk Policy. Keiner hat mehr einen festen Schreibtisch, vielmehr bucht man sich seinen Platz online. Folglich sitzt irgendwann auch jeder mal bei jedem. Wir erhoffen uns davon, dass es das gemeinsame Erarbeiten von Themen noch einmal antreibt. Kommen wir zu dem, was uns außerdem noch antreibt: Die Arbeit mit unseren Kunden. 

Die Inzidenz der PR  

Ich weiß, das Wort kann eigentlich keiner mehr hören. Aber ich versuche ja schon krampfhaft ein anderes Wort in diesem Blog unerwähnt zu lassen, also seht es mir nach. Kurz zum Begriff: Laut Wikipedia versteht man unter Inzidenz „die relative Häufigkeit von Ereignissen – insbesondere von neu auftretenden Krankheitsfällen“ innerhalb einer gewissen Zeitspanne. Nun hört man in der Branche schon länger die Aussage: Die PR ist tot. … Um es kurz zu machen: nein! Sie lebt, aber sie krankt an ihrem Image des Alten und Verkrusteten. Das haben auch wir dieses Jahr wieder erfahren. Daher werden wir im kommenden Jahr ein sichtbares Zeichen setzen – mehr sei aber noch nicht verraten.  

Trotzdem hat die PR weiter ihre Berechtigung in jeder Kommunikationsstrategie. Sie muss nur anders interpretiert und gelebt werden. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, sei aber gesagt: Wo es früher eine klare Trennung zwischen PR und Marketing gab, sind diese Grenzen mittlerweile verschwommen. Nicht von ungefähr ist Content Marketing heute ein längst bekannter Terminus. Überzeugen durch Inhalte! Keine platte Werbung mehr und auch keine selbstbeweihräuchernden Texte. Content soll heute einen Mehrwert bieten, Follower generieren, Interessenten zu Leads und Leads zu Kunden machen. Die Fachpresse ist ein Kanal von mehreren. Im Zentrum steht vielmehr die Webseite unserer Kunden. Suchmaschinenoptimiert schreiben ist wichtiger denn je. Die Vernetzung mit Social Media unabdinglich. Gehen wir einen Schritt weiter, sind wir beim Inbound Marketing und damit auf dem besten Weg zu einer Marketing Automation. Diese Themen haben auch unseren Fachblog, den Leitstand, in diesem Jahr geprägt (als kleiner Tipp zum tieferen Einlesen in die Thematiken). Content und Inbound Marketing sind längst sowas wie der Impfstoff für die kränkelnde PR, deren Inzidenz mit einer auf den Kunden zugeschnittenen Kommunikationsstrategie schlagartig sinkt. Das neue Normal heißt Storytelling. Wer uns vor drei Jahren gesagt hätte, dass wir mal Videos und Podcasts für unsere Kunden produzieren, den hätten wir mindestens so verrückt erklärt wie Tommie Krause.  

Wetten, dass … 2022 wird schon wieder normal   

Apropos Podcast. Vielleicht das beste Beispiel dafür, dass alles irgendwann mal wieder kommt. Vor 15 Jahren schon „in“, dann wieder „out“ und heute nicht mehr wegzudenken aus dem täglichen Content-Konsum. Und was Millionen von Konsumenten gut findet, muss doch nicht überholt sein, oder? Merkel ist zwar weg, Jogi auch, dafür sind „Wetten, dass..?“ und die Schlaghosen wieder da. Das alles zeigt: Normal ist heutzutage einfach der Mix aus Neuem und Bewährtem. Die Sehnsucht nach dem, was mal gut war und nach dem, was Überholtes besser macht. Auch in der Kommunikation. Wir machen auch weiterhin Content. Nur eben anders. Wir bedienen die Fachpresse und alle sinnvollen digitalen Kanäle. Wir zählen weiter die Veröffentlichungen, aber eben auch, ob unser Content Leads oder Conversions generiert hat. Voll normal, oder?

Auf unserem Instagram Account zeigen wir euch ein paar Schnappschüsse aus 2021!

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